PILGRIM 20. Oktober 1998

Bilder von Sylvia:
Bilder von mir selbst:
 

So, jetzt komme ich zu meinem besonderen Highlight. Bei diesem Konzert fing es schon an, schwer zu werden an Karten aufgrund der immensen Nachfrage zu kommen. Eine Freundin von mir, die nimmermüde Sylvia, hat dann tatsächlich noch zwei Tickets aufgetrieben... zwar zu horrenden Preisen, aber es war es wert, wie sich dann noch zeigen sollte. Das Konzert selbst war sehr beeindruckend.... vor allen Dingen mitzuerleben, wie die Stücke von PILGRIM live ein Eigenleben eingehaucht und richtig Dampf bekamen. Besonders berührt hat mich TEARS IN HEAVEN, das ich ja hier das erste mal live im Konzert erlebt habe. Da flossen das zweite Mal in einem EC Konzert ein paar Tränen. 

Opening Act durfte BONNIE RAITT sein. Das hat mich allerdings wenig berührt.

Mit uns sind noch zwei Freunde, der Michael "Chappi" und Markus in Frankfurt gewesen und diese beiden hatten VIP-Lounge-Karten. Zu viert haben wir uns dann nach dem Konzert in eben diese VIP-Lounge begeben (mit ein wenig Überredungskunst und Kaltschnäuzigkeit ging das, denn es waren ja nur zwei VIP-Karten verfügbar).

Junge Damen sind hier dann mit Tabletts voller Wein und Snacks umhergelaufen - alles für umme versteht sich... Da haben wir natürlich erst mal zugelangt. Auch Gitarrensaiten 

konnte man bekommen... echt krass. Jemand ließ dann verlauten, dass weiter vorne auch Gitarren stehen würden, und da wurde ich natürlich neugierig. Also lies ich die anderen erst mal stehen und machte mich auf, diese Gitarren zu suchen... ich lief durch den Saal, fand keine Gitarren, dabei musste ich mich durch eine dichte Menschentraube durchschieben, fand immer noch keine Gitarren, also wieder zurück, wieder durch die Menschen durch und siehe da... da standen sie... eine Fender VW-Soundfoundation lackierte Mexiko-Strat und was noch... natürlich eine Fender EC-Signature Strat in schwarz. Also nix wie hin und was sehen meine entzückten Augen?... die sind ja sogar an solche kleine Fender Transistor-Übungsverstärkerchen mit Kopfhörer angeschlossen und eingeschaltet. Also "ready to rock"... Barhocker zum draufsetzen standen auch parat... und so 'ne Einladung lass ich mir natürlich nicht entgehen. Eine junge Dame stand als Aufpasserin dabei. Der Ordnung halber gefragt, ob ich denn mal spielen könnte. Sie bejahte meine Frage, also Plektrum aus der Tasche gefischt, die Tüte mit dem Merchandising-Zeuchs abgestellt, Kopfhörer auf, den Barhocker in Beschlag genommen und zielgerichtet die EC-Strat geschnappt. 

Selbst über Kopfhörer mit diesem Transe-Teil... verflucht, da war Clapton-Ton drin. Es ist eine Super-Gitarre... vom Handling, die durchdachte Elektronik, der Sound und das Aussehen stimmt auch. Während ich also so mein Zeuchs, was mir gerade einfällt, spiele... ein paar EC-Licks (was sonst) und ein bisschen rum-soliert (hörte ja keiner außer mir)... tippt mich dann so nach ungefähr 5 Minuten auf einmal jene weibliche Aufpasserin auf die Schulter und gibt mir zu verstehen, ich solle doch mal den Kopfhörer abnehmen... folgsam wie ich bin, tue ich dies und dachte, huch, iss schon rum? Aber sie sagt zu mir: "Sie spielen gerade unter den Augen von Eric Clapton". Ich denke... die will mich veräppeln... und will den Hörer wieder aufsetzen... also wiederholt sie es noch mal etwas deutlicher und lauter: "Sie spielen gerade unter den Augen von Eric Clapton"... jetzt sicher, doch die Worte richtig verstanden zu haben aber nicht glauben zu können, schau ich erst mal nach irgendwelchen kleinen versteckten Kameras oder so was... Aber Fehlanzeige - nix zu sehen... immer noch wohl sehr ungläubig aus der Wäsche guckend, zeigt sie nach rechts (aus meiner Sicht) und ich seh immer noch nix... erst als ich mich dann etwas streck und biege, seh' ich IHN... ERIC CLAPTON, auch auf einem Barhocker sitzend, den kleinen Pit Schmidt beim Klimpern beobachtend und dann lausbübisch angrinsend. Das hat mich natürlich mega-überrascht, aber ich behielt soweit die Fassung um auch freundlichst "zurückzustrahlen" zu können und mit der Hand zu grüßen. Er musste wohl der jungen Dame ein entsprechendes Zeichen gegeben haben... und ich wusste jetzt warum da die Menschentraube war, welche ich zuvor zweimal durchquert habe ;-o)
Leute, dieses Lächeln war ein ganz anderes, als ich es jemals auf Fotos und in Videos gesehen habe, denn es war sein persönliches, in diesem Moment nur für mich, an einen anderen Gitarristen bestimmtes. Ich denke, es hat ihn gefreut, zusehen, dass es auch in dieser von Schlipsträgern und Schickimicki-Schneckscher geprägten VIP-Lounge noch "Gleichgesinnte". Zudem bin ich durch meinen Kleidungsstil schon deutlich aus dem Rahmen gefallen... Cowboy Stiefel, Motorrad-Lederjacke und ein grün/buntes Hippie-Hemd...

 

jouh, ich denke ich war der einzige der dort so rumgelaufen ist. Zuerst bin ich mir da auch sehr deplaziert vorgekommen. Ich war natürlich jetzt doch "etwas" verstört, hab aber noch ein bisschen weitergespielt nachdem sich unsere Blicke wieder getrennt hatten. Stellte dann brav die Gitarre wieder in ihren Ständer und machte mich wieder auf den Weg zu meinen Leuten um ihnen die News zu stecken. Wir beschlossen dann alle noch mal in aller Ruhe in Richtung EC zu gehen, weil zumindest einen Blick wollten sie schon noch auf ihn werfen. Sylvia konnte sich kaum noch zurückhalten und erheischte sich ein Autogramm auf ihren dafür eigens mitgeschleppten A3-Format-EC-Kalender. Ihr war völlig klar, dass wir ihn zu Gesicht kriegen. Manchmal glaub' ich, dass sie hat wirklich hypersensible Voodoo-Fühler hat. Nun sie hatte recht behalten. Ich fasste mir dann doch ein Herz und ging auf ihn zu, bereits mein gekauftes Tourprogramm bereithaltend nebst einem Stift, und konnte ohne aufgehalten zu werden zu ihm gelangen... im Nachhinein, denke ist dies auch nur möglich gewesen, indem er seinen Bodyguards entsprechende Zeichen gegeben hatte... Und jetzt kommt's bevor ich auch nur einen Ton meines zurecht gelegten Satzes sagen konnte, empfängt er mich mit den Worten: "How do you like the guitar?". Innerlich noch mehr aus dem Konzept gebracht, gelang es mir doch eine entspannte Antwort, dass ich sie toll fand und sehr mag und dass ich in meiner Fender American Standard die gleichen Tonabnehmer drin hab, aber eben nicht diese Mitten-Anhebung. *)   Er quittierte dies mit einem freundlichen Lächeln, worauf ich mein Tourprogramm mit Stift aus dem Beutel fingerte und ihn um ein Autogramm bat.

*) ERGÄNZUNG:  heute besitze ich zwei seiner Signature Gitarren... eine 1989 BLACKIE und eine 2004 Custom Shop BLACKIE. Ich wünschte, ich hätte sie damals schon gehabt... *lol*

Bereitwillig gab er mir dies auch, deutete dann jedoch an, wieder seine Ruhe haben zu wollen und ich zog mich zufriedenst zurück. Es hat lange gedauert, bis ich das Geschehene fassen konnte. Wir sprachen später noch mit Leuten von VW und die meinten, wir wären die absoluten Glückspilze gewesen... erstens wäre er während dieser Tour bis zu diesem Tag nie in der VIP-Lounge nach einem Konzert aufgetaucht und zweitens niemand anderes hätte an dem Abend überhaupt noch Autogramme bekommen und sie selbst auch noch nicht. Eric weilte wohl ca. eine halbe Stunde in der Lounge bevor er sich wieder trollte. Währenddessen tauchte dann auch noch der gesamte Rest der Band auf. Das gab mir die Gelegenheit ein Autogramm vom großartigen STEVE GADD...

...dem Schlagzeuger, zu bekommen. 

Nach all den Aufregungen musste die gute EC-Strat noch mal herhalten, die stand nämlich immer noch parat. gegen halb vier nachts brachen wir dann auf gen Heimat nach Darmstadt... schwebend, träumend, hundemüde und leicht benebelt vom Frei-Rotwein.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass es einer der schönsten Momente in meinem Leben war. Dieses 'How do you like the guitar', ungefiltert durch irgendwelche elektronischen Medien oder Verstärker, von Mensch zu Mensch -unplugged- hallt heute noch in meinen Ohren. Ein Traum für mich, welcher Wirklichkeit wurde. Als  Sahnehübchen gelang es mir nach dem Konzert von Lee Dickson noch ein Original-Guitar-Pick zu erhaschen.

© Mai 2018 Pit Schmidt