ME & MR JOHNSON 2004

Ich habe mich sehr gefreut, EC doch wieder zu sehen und zu hören, nachdem er ja bei der REPTILE-Tournee angekündigt hatte, keine großen Touren mehr machen zu wollen. Die Tickets wurden größtenteils bereits in einem eintägigen Vorverkauf direkt an der Festhalle verkauft, sodass in den normalen Handel nur noch die Reste kamen... Diesmal war SCHNELL-SEIN mega-angesagt. Wir konnten jemanden hinschicken, der 4 Tickets (mehr gab es sowieso nicht pro Person) besorgte. 

Es war ein tolles Konzert mit einigen wirklich grandiosen Momenten (u. a. Solo von I SHOT THE SHERIFF), kraftvolle ROBERT JOHNSON Songs, superbes Zusammenspiel der beiden Gitarristen ERIC und DOYLE BRAMHALL II. Und eben jenem Doyle überlies Eric erstaunlich viel solistischen Spielraum. Doyle (er hatte ein so großes Effektboard dabei, dass es mit zwei Leuten getragen werden musste), klang teilweise wie EC selbst vor 30 Jahren zu Zeiten der Dominos. Die beiden waren eigentlich der Dreh und Angelpunkt des ganzen Konzerts.

Eric hatte einmal mehr einen Abend an welchem ihm gar nicht Wah-Wah war, obwohl es natürlich parat lag. Das einzige was er bediente, war das Pedalboard zum Schalten seines Fender-Verstärkers und des Leslies. Er kann den Fender alleine, das Leslie alleine oder aber beide kombiniert betreiben. Sehr gut zuhören (wenn ich richtig aufgepasst habe)  wieder Mal bei BADGE. Zur Begleitung während der Strophen sind beide zusammen an, bei den Gitarren-Solos nur der Fender und die Zwischenteile jeweils nach den kurzen Pausen sind Leslie pur.   :-o)

BILLY PRESTON an der Hammondorgel/Piano und CHRIS STAINTON an sonstigen Keyboards/Piano hatten ihre Moment, hielten sich aber ansonsten zurück und bildeten den Harmonieteppich, die Basis für die beiden Gitarreros, rhythmisch absolut tight zusammengehalten von ECs Lieblingsdrummer, STEVE GADD (eine Ikone in der Schlagzeugerwelt für sich) und dem dienstältesten Musiker in der Band überhaupt Bassist NATHAN EAST. Nathan ist mit an Board seit 1986 !!! mit kurzen Unterbrechungen Mitte der 90iger. Solange war meines Wissens überhaupt noch nie ein Musiker in ECs Band.

Nicht schlecht, aber trotzdem etwas farblos fand' ich die beiden Backround-Sängerinnen, SHARON WHITE und MICHELLE JOHN, die zudem auch in Frankfurt doch etwas unpassend (auch im direkten Sinne) angezogen waren. Schmerzlich habe ich das Traumduo KATIE KISSOON und TESSA NILES vermisst.

Musikalischer Schwachpunkt war CHANGE THE WORLD. Das Stück passte überhaupt nicht zum Rest der doch sehr wuchtigen, old-fashioned-rockig-bluesigen Setlist und irgendwie war's auch nur halbherzig dahin gespielt...  im Gegensatz zur letzten Tournee. Es war das einzige Stück, bei welchem er die Akustik-Gitarre nahm, diese allerdings schon zum End-Solo wieder gegen Stratocaster CRASH#3 austauschte. So wie diesmal TEARS IN HEAVEN fehlte hätte man CTW auch eine Pause gönnen können und statt dessen vielleicht noch 'ne R.J.-Nr. einbauen sollen. 

Egal, es war wie's war... und ich fand's top. 

Dieses Mal hat mir auch die Vorgruppe "ROBERT RANDOLPHF & THE FAMILY BAND" supergut gefallen. Das zweite Mal keine Langweile beim Warm-Up-Act. Ein unglaublicher Pedal-Steel-Gitarrist... er rockte schon mal das Haus ordentlich durch und kam dann auch zu zwei Zugaben von EC mit auf die Bühne.

© Oktober 2016 Pit Schmidt